Die zentrale Osterbotschaft

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Die zentrale Osterbotschaft

Johannes 19,30: „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.“ Consummatum est! Tetelestai!  Rede zum Osterfest am 21.4.2019. JS

 

„Die Autarkie des Diesseits“ nannte der in Wuppertal geborene Theologe Helmut Thielicke die überall zu beobachtende Erstaunlichkeit, dass das Menschsein auch völlig ohne das Geistig-Seelische auskommen kann, obwohl doch jedem auch nur ansatzweise Nachforschenden klar ist, dass das Geistig-Seelische das Fundament des Materiellen bildet. So als ob ein Haus auch dann noch stünde, entzögen wir ihm sein Fundament. Der in Bromberg geborene Joachim Fernau entwickelt daraus in seinem Büchlein „Der Gottesbeweis“ die Unterscheidung des leiblichen Ichs, „das Ich“ genannt, und des geistigen Ichs, „der Ich“. Wir existieren also zweifach. „Den Ich“ tangiert das Blühen und Vergehen des leiblichen Ichs nicht. Die Fortdauer des Seelischen mag man als umso überzeugender vorgestellt haben, je erschreckender der Leib zugerichtet wird und je erschütternder die Fallhöhe ist.

Nun ist zwar das Leibliche ohne das Geistige denk- und lebbar, aber nicht das Geistige ohne das Materielle, ohne die Historizität. Deswegen erlauben Sie mir einen kleinen Exkurs in die Vorstellungswelt der Vorfahren in Bezug darauf, wie sie über den Osterkult das Phänomen der doppelten Fortdauer des Lebens darlegten und welche wichtigen gesellschaftlichen Nebenwirkungen dieser Sinnsuche bis heute fortschwingen.

Rein geschichtlich betrachtet, steht im Zentrum des Osterfests die Opfergabe. Und zwar das Opfern des Allerwertvollsten: kleiner Kinder, unschuldiger Lämmer, Gottes eingeborenen Sohnes. Die abrahamitische Opfertradition geht zurück auf babylonische Frühjahrskulte: der Ishtar, des Baal, der Astarte. Hier waren Kinder die bevorzugte Gabe. Die hebräische Gottheit hat das Wesentliche von diesen Gottheiten übernommen. Im hebräischen Pessah-Fest übernimmt der Stammesgott selbst das Massakrieren der Kleinkinder des einheimischen Volkes. Hier kommt eine neue Kompomente dazu: der Freiheitskampf und das Überlebensrecht der Völker, in diesem Fall, des auserwählten Volkes. Diese moralische Komponente rechtfertigt seitdem jeden Blutzoll. Die Geschichte vom Auszug aus der Sklaverei dürfte übrigens auf Ereignisse im heutigen Äthiopien zurückgehen.

Wozu verlangen diese Götter nach solchen Opfern? Weil sie im Gegenzug exklusive Leistungen der Befreiung erbringen, die Fruchtbarkeit für die ganze Gemeinschaft spenden, die Fortdauer der Schöpfung, des Lebens. Es ist also eine rationale Win-Win-Situation, wie der Amerikaner sagt. Do, ut des, wie der Römer sagt. Ich gebe, damit du gibst. Die Blutrünstigkeit und Kaltherzigkeit gegenüber dem Leid der Anderen wird von den teilhabenden Menschen als solche nicht erfahren, weil ihnen der hohe Symbolgehalt des Opferrituals klar gemacht wird oder weil die gesellschaftliche Arbeitsteilung es erlaubt, sich nicht das Innere der Schlachthöfe vorzustellen. Dass dies so reibungslos geht, weist darauf hin, dass die Osterkulte Kulte der Machtelite waren und immer noch sind, auch unter dem Namen Satanismus bekannt. Das Grausame und Böse ist für die Machtelite eine Art Erkennungsmerkmal. Deswegen veranstalten sie auch gerne rituelle Feueropfer mit Breitenwirkung wie vermutlich in diesem Jahr in der Osterwoche in Frankreich. Im Christos-Mythos ist sowohl dieser Kult der dunklen Machtelite enthalten als auch die Botschaft des Lichts, des befreienden Bewusstseins, des moralischen Gesetzes, die Astrotheologie der universalen Harmonie. Lasst uns den satanischen Aspekt der Dunkelmächte boykottieren und unsere Aufmerksamkeit dem befreienden Aspekt widmen. Omne vivum ex ovo! Außerdem haben wir als Beimischung noch den Ostara-Kult der Vorfahren aus den Wäldern und Sümpfen, der weniger elitär als egalitär ist. Im Gegensatz zu Wüstenreligionen, die auf Verteilungskämpfen aufgrund der Knappheit der Ressourcen aufbauen, und entsprechend über psychologischen Druck arbeiten, betonen die Wald- und Sumpfreligionen das Prinzip des Überflusses, des ewigen Lebensflusses, die Harmonie zwischen den Wesensmerkmalen, die uns als „das Ich“ und „der Ich“ erscheinen.

 

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